Experten aus Erfahrung

Als Experten aus Erfahrung (engl. Peer-Support) bezeichnen sich gegenwärtig oder ehemals betroffene psychisch kranke Menschen und deren Angehörige, welche sich in verschiedenen Bereichen und Arbeitsfeldern der psychiatrischen Versorgung (z.B. Gremienmitarbeit, Forschung, Fortbildung, sozialpsychiatrische Arbeitsfelder) engagieren und beispielsweise Patientinnen und Patienten auf ihrem Genesungsweg begleiten. Im deutschsprachigen Raum wird auch der Begriff des Genesungsbegleiters benutzt.

Hintergrund und Empfehlung der Leitlinie

Was machen Experten aus Erfahrung?

Gemeinsam ist der Arbeit durch Experten aus Erfahrung der gemeinsame Erfahrungshintergrund des Erlebens der Erkrankung und aller damit verbundenen Erfahrungen innerhalb und außerhalb psychiatrischer Hilfesysteme. Die Arbeit durch Experten aus Erfahrung wirkt sich förderlich aus auf:

  1. Betroffenenebene: Die sehr individuellen und sehr unterschiedlichen Erfahrungen der (ehemals) Betroffenen können genutzt werden, um auf Stärken und Fähigkeiten zu schauen und den Aufbau von Hoffnung, Toleranz und gegenseitigen Respekt sowie Gleichberechtigung zu unterstützen.
  2. die psychiatrischen Hilfesysteme: Es können hier positive Veränderungen des allgemeinen therapeutischen Klimas erzielt und der Kampf gegen Stigmatisierung unterstützt werden.

Konkrete Aufgaben der Arbeit durch Experten aus Erfahrung liegen beispielsweise in:

  • der Anleitung zu Selbstmanagement-Programmen,
  • in gesundheitsbezogenen Interventionen,
  • in einer Navigation durch das Gesundheitssystem,
  • einer allgemeinen Aktivierung der Betroffenen oder
  • auch in der Unterstützung zum Knüpfen sozialer Netze.

Kann die Unterstützung durch Experten aus Erfahrung empfohlen werden?

  • Forschungsbefunde deuten auf positive Effekte hinsichtlich Recovery-bezogener Zielgrößen wie beispielsweise das Selbstwirksamkeitserleben hin, wobei gegenwärtig noch keine spezifische Form der Unterstützung empfohlen werden kann.
  • Die Unterstützung durch Experten aus Erfahrung sollte durch ausgebildete und psychisch stabile Genesungsbegleiter erfolgen und ist als zusätzliches Angebot zu professionellen Angeboten zu verstehen.

Empfehlung der Leitlinie (mittlere Empfehlungsstärke)
Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sollte Peer-Support (Unterstützung durch Experten aus Erfahrung oder Genesungsbegleitung) unter Berücksichtigung ihrer Wünsche und Bedarfe zur Stärkung des Recovery-Prozesses und zur Förderung der Beteiligung an der Behandlung angeboten werden.

Wo findet eine Unterstützung durch Experten aus Erfahrung statt und wie erhält man Zugang?

Die Einsatzfelder der Genesungsbegleiter in der Psychiatrie sind breit gefächert und liegen beispielsweise in der ambulanten psychiatrischen Pflege, in Bereichen des unterstützten Wohnens oder in stationären Behandlungsbereichen. Für Deutschland liegen mittlerweile sehr unterschiedliche Praxiserfahrungen vor, jedoch sind die Formen der Unterstützung noch nicht flächendeckend umgesetzt.


Der Verein EX-IN Deutschland e.V. gründete sich im Oktober 2011, um zur Entwicklung von Qualitätsstandards in der Ausbildung von Experten aus Erfahrung beizutragen. Derzeit unterstützt der Verein an 34 Standorten in Deutschland die Weiterbildung Psychiatrieerfahrener zu Genesungsbegleitern (Ausbildung zum EX-IN Erfahrungsexperten für Menschen mit Psychiatrieerfahrung).

Adressen und weiterführende Links


© Universität Leipzig. Medizinische Fakultät Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)