Gesundheitsfördernde Interventionen

Schwere psychische Erkrankungen gehen häufig mit einer Vielzahl von Risikofaktoren, wie z.B. Rauchen, ungünstigen Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel einher. Auch können eine Reihe von Medikamenten in der Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen zu Gewichtszunahmen und stoffwechselbedingten Veränderungen führen, die Risikofaktoren für körperliche Erkrankungen (z.B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsleiden) darstellen. Die zusätzliche körperliche Krankheitslast beeinflusst die Lebensqualität der Patienten negativ und kann mit einer geminderten Lebenserwartung einhergehen.

Hintergrund und Empfehlung der Leitlinie

Was bedeuten gesundheitsfördernde Interventionen?

  • Gesundheitsfördernde Interventionen sind ein wichtiger Bestandteil im Genesungsprozess von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, da sie einen zentralen Beitrag zur Erhaltung der körperlichen und seelischen Gesundheit leisten. Gemeint sind hier nicht-medikamentöse Interventionen zur Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität.
  • Der Unterschied zu den Bewegungs- und Sportinterventionen besteht darin, dass gesundheitsfördernde Interventionen eine kombinierte Strategie beinhalten, das heißt gleichzeitig mehrere Ansätze zur Beeinflussung des gesundheitsbezogenen Lebensstils nutzen und nicht allein auf Bewegung beruhen. 

Können gesundheitsfördernde Interventionen empfohlen werden?

  • Studienergebnisse zeigen, dass gesundheitsfördernde Interventionen:
    • zu einer Reduzierung des Körpergewichtes führen können, 
    • eine positiv (senkende) Wirkung auf biologische Kennwerte, wie beispielsweise den Cholesterin- und den Blutzuckerspiegel, haben können und
    • eine depressive Symptomatik reduzieren können.
  • Möglicherweise sind die Effekte stärker bei einer präventiven Ausrichtung der Interventionen (bei einem frühen Beginn der Intervention).
  • Mit einer erfolgreichen körperlichen Aktivität sind nicht nur unmittelbare Verbesserungen auf körperlicher Ebene (z.B. Gewichtsreduktion, besseres Körpergefühl) verknüpft, sondern auch positive Effekte auf andere Bereiche, wie z.B. Eigeninitiative, Autonomie, Selbstbewusstsein oder Tagesstruktur.
  • Die Umsetzung von körperlicher Aktivität kann durch soziale Unterstützung durch Mit-Betroffene und/oder professionelle Unterstützer gefördert werden.

Empfehlungen der Leitlinie (starke Empfehlungsstärke):
Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sollen multimodale gesundheitsfördernde Interventionen mit den Schwerpunkten gesunde Ernährung und körperliche Aktivität angeboten werden.

Wo finden gesundheitsfördernde Interventionen statt und wie erhält man Zugang?

Gesundheitsfördernde Interventionen werden an ganz verschiedenen Orten von unterschiedlichen Leistungsanbietern angeboten. Nach regionalen Angeboten können Sie bei Ihrer Krankenkasse, bei psychosozialen Trägern oder auch bei Ihrem behandelnden Arzt fragen.

Adressen und weiterführende Links


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