Bewegungs- und Sporttherapien

Unter Bewegungs- und Sporttherapien sind hier in erster Linie ärztlich verordnete Therapien gemeint, die von einem Therapeuten geplant und dosiert, und mit dem Patienten alleine oder in der Gruppe durchgeführt werden.

    Hintergrund und Empfehlung der Leitlinie

    Was bedeuten Bewegungs- und Sporttherapien?

    Das Spektrum an Sport- und Bewegungstherapien bei der Behandlung psychischer Erkrankungen ist sehr breit gefächert. Grob umrissen lassen sich 3 sehr zentrale Ansätze benennen: 

    1. Sporttherapeutische Verfahren, die in erster Linie die Fitness und Funktionalität des Körpers stärken (z.B. Ausdauertraining, Krafttraining, Sportspiele), 
    2. Körperpsychotherapeutische Verfahren, denen die Annahme zugrunde liegt, dass Körper und Psyche eine untrennbare Einheit bilden und deshalb die Bewegung gezielt zu psychotherapeutischen Zwecken einsetzen (z.B. integrative Bewegungstherapie, konzentrative Bewegungstherapie) und 
    3. Edukativ-psychosoziale Verfahren, bei denen Körperbewegung und Körpersprache als therapeutische Mittel genutzt werden, um die zwischenmenschliche Begegnung in einer Gruppe zu fördern und für die Patienten neue Erlebensräume zu schaffen. 

    Sie verbessern die Lebensqualität von Menschen mit psychischen Störungen auf zwei Wegen:

    • über die Verbesserung der körperlichen Gesundheit und
    • über die Stärkung psychischer Funktionen (z.B. Konzentration, Motivation, Selbstbewusstsein oder das Erleben, etwas zu bewirken).

    Können Bewegungs- und Sporttherapien empfohlen werden?

    • Fachlich angeleitete regelmäßige körperliche Aktivität bei schweren psychischen Störungen ist dazu geeignet: 
      • psychische Krankheitszeichen zu verbessern,
      • die Körperwahrnehmung zu fördern,
      • die körperliche Fitness zu stärken und
      • Anschluss an andere zu finden (oft finden diese Therapien in Gruppen statt).
    • Wissenschaftliche Nachweise zur Wirksamkeit liegen bisher hauptsächlich für ein gesundheitsorientiertes Ausdauertraining vor, dass eine tendenziell positive Wirkung sowohl auf seelische als auch körperliche Zielgrößen haben kann sowie im Bereich körperpsychotherapeutischer Ansätze. Die Wirksamkeit edukativ-psychosozialer Verfahren bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wurde bisher kaum untersucht.
    • Entscheidend für die Umsetzung von Bewegung und Sport ist die Motivation, die sich beispielsweise durch Zielvereinbarungen sowie Ansätze der motivierenden Gesprächsführung unterstützen lässt. Über deren Effektivität ist bisher allerdings wenig bekannt. 

    Empfehlungen der Leitlinie (mittlere Empfehlungsstärke):
    Bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sollten - je nach Beschwerdebild und Neigung sowie unter Berücksichtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit - Bewegungsinterventionen als Teil eines multimodalen Gesamttherapiekonzeptes zur Anwendung kommen.
    Körperpsychotherapeutische Verfahren sollten bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen zur Anwendung kommen.

    Wo finden Bewegungs- und Sporttherapien statt und wie erhält man Zugang?

    • Bewegungs- und Sporttherapeutische Angebote finden in teil- und vollstationären Behandlungs- und Rehabilitationseinrichtungen statt, die dort Teil des komplexen Behandlungsprogrammes sind. Daneben werden Bewegungs- und Sporttherapien im Rahmen der ambulanten medizinischen oder berufsfördernden Rehabilitation angeboten.
    • Entsprechende Angebote erfragen Sie bitte bei Ihrem Arzt oder auch bei Ihrer Krankenkasse.
    • Vor dem Beginn einer Bewegungs- und Sporttherapie sollte auf jeden Fall die körperliche Gesundheit und damit die Eignung für eine körperliche Belastung ärztlich überprüft werden.

    Adressen und weiterführende Links


    © Universität Leipzig. Medizinische Fakultät Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)