Künstlerische Therapien

Künstlerische Therapien zielen darauf, den eigenen Ausdruck und den Austausch mit anderen auch ohne „sprechende“ Sprache zu ermöglichen. In der Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk bzw. im künstlerischen Prozess haben Patienten die Möglichkeit, sich auf ihr inneres Erleben zu konzentrieren und sich in besonderer Art und Weise mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Patienten haben dadurch die Gelegenheit neue Erlebensräume zu erfahren und sich selbst und ihre Umwelt besser zu verstehen und sich in ihr freier und selbstsicherer zu bewegen.

Hintergrund und Empfehlung der Leitlinine

Was bedeuten Künstlerische Therapien?

  • Künstlerische Therapien zielen auf eine Stärkung der inneren Wahrnehmung, aber auch der Problemlösefertigkeiten und der Fertigkeiten im Umgang mit anderen und dies über andere Mittel als nur der "gesprochenen" Sprache.
  • Es existiert eine große Vielfalt künstlerisch-therapeutischer Behandlungsansätze:
    • Kunsttherapie (Anwendung Mittel bildender Kunst, z.B. Bilder, im therapeutischen Prozess),
    • Musiktherapie (Anwendung von Musik oder musikalischen Elementen),
    • Tanz- und Bewegungstherapie (Nutzung des Körpers, der Bewegung und des Tanzes für psychotherapeutische Zielsetzungen) sowie
    • Theater- und Dramatherapie ("Theater spielen").
  • Unterschieden werden grundsätzlich aktive und rezeptive Methoden. Zum Beispiel können im Bereich der Musiktherapie die Patienten entweder musikalisch selbst aktiv werden und beispielsweise ein Instrument spielen oder über das Hören von Musik neue Erfahrungen erleben. Die Möglichkeiten sind hier sehr breit und orientieren sich immer auch an den Wünschen der Patienten. 

Können Künstlerische Therapien empfohlen werden?

Einige Studien belegen die Wirksamkeit Künstlerischer Therapien in der Behandlung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen.

Empfehlung der Leitlinie (mittlere Empfehlungsstärke):
Künstlerische Therapien: Musiktherapie, Kunsttherapie bzw. Dramatherapie sollten im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplanes und gemessen an den individuellen Bedürfnissen und Präferenzen der Betroffenen zur Verbesserung der psychopathologischen Symptomatik angeboten werden.

Wo finden Künstlerische Therapien statt und wie erhält man Zugang?

Künstlerische Therapien haben in Deutschland einen festen Platz in der Behandlung psychischer Erkrankungen. Sie werden in:

  • Institutsambulanzen,
  • Tageskliniken,
  • in der vollstationären Akutbehandlung,
  • Rehabilitationskliniken sowie
  • in der Eingliederungshilfe

angeboten und als Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt. Frequenz und Dauer einer Sitzung richten sich nach der Schwere der Erkrankung. Künstlerische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. 


Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine künstlerische Therapieform im ambulanten Sektor nicht regelhaft. Daher empfiehlt es sich, bei der jeweiligen Krankenkasse nachzufragen, da nach Einzelprüfung oder im Rahmen Integrierter Versorgung eine entsprechende Therapie finanziert werden kann.

Adressen und weiterführende Links


© Universität Leipzig. Medizinische Fakultät Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)