Training sozialer Kompetenzen

Schwere und chronische psychische Erkrankungen sind häufig mit Beeinträchtigungen alltagspraktischer und sozialer Kompetenzen verbunden. Unter sozialen Kompetenzen werden Fähigkeiten beschrieben, welche einen angemessenen zwischenmenschlichen Umgang fördern und langfristig mit einem ausgewogenen Verhältnis von positiven und negativen Konsequenzen verbunden sind. Beispiele sozialer Verhaltensweisen sind unter anderem die Fähigkeiten "Nein sagen" zu können, auf Kritik reagieren oder Widerspruch äußern zu können.

Ein Training sozialer Kompetenzen möchte z.B. anhand von Übungen an konkreten, alltäglichen Situationen eine Stärkung grundlegender kommunikativer Fertigkeiten erzielen.

Hintergrund und Empfehlungen der Leitlinie

Was bedeutet ein Training sozialer Kompetenzen?

  • Ein Training sozialer Kompetenzen zielt zunächst auf die Stärkung der zwischenmenschlichen Fertigkeiten ab:
    • z.B. Erlernen der grundlegenden kommunikativen Fertigkeiten (wie Mimik, Gestik und Körpersprache, Lautstärke und Tonfall beim Sprechen),
    • Erlernen, wie ein Gespräch begonnen, aufrechterhalten oder beendet werden kann oder
    • wie man lernt, sein Gegenüber besser zu verstehen.
  • Komplexe Trainingsprogramme beinhalten daneben das Trainieren des Umgangs mit der Erkrankung, mit Medikamenten oder des Umgangs mit Suchtmitteln oder richten sich auf die Pflege von Freundschaften und Freizeitaktivitäten sowie auf soziale Fertigkeiten im Rahmen der Arbeitstätigkeit.
  • In den Trainings werden spezifische Situationen beispielsweise in Rollenspielen trainiert. Wichtig ist eine Fortführung des Trainings im individuellen Umfeld der Teilnehmer, um gewonnene Übungseffekte in den Alltag zu übertragen.

Empfehlung der Leitlinie (Expertenkonsens):
Da schwere psychische Erkrankungen häufig mit Beeinträchtigungen von Alltagsfertigkeiten und sozialen Funktionen verbunden sind und dadurch die Teilhabe am sozialen Leben deutlich erschwert ist, haben Hilfen zur eigenen Lebensgestaltung und die Befähigung zur Teilhabe an sozialen Aktivitäten in verschiedenen Lebensbereichen (Selbstsorge, Familie, Freizeit, Arbeit, gesellschaftliche Teilhabe) einen hohen Stellenwert in der Behandlung. 

Kann ein Training sozialer Kompetenzen empfohlen werden?

  • Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit eines Trainings sozialer Kompetenzen in der Behandlung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen insbesondere auf die sozialen Fertigkeiten. 
  • Die Wirksamkeit eines Trainings wird zusätzlich über spezielle Aufgaben, die es den Betroffenen erleichtern, das Erlernte im Alltag selbstständig anzuwenden oder Aufgaben, die Angehörige einbeziehen, erhöht.
  • Zudem gibt es Hinweise, dass ein gleichzeitiges Training geistiger Fertigkeiten (z. B. Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Lernen) positive Effekte zeigt.

Empfehlung der Leitlinie (starke Empfehlungsstärke):
Ein Training sozialer Fertigkeiten soll als Intervention bei Vorhandensein sozialer Beeinträchtigungen mit dem Ziel der Verbesserung sozialer Kompetenzen durchgeführt werden.

Empfehlung der Leitlinie (Expertenkonsens):
Das Training sozialer Fertigkeiten soll - gemessen an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen - in ein komplexes Behandlungsangebot eingebettet werden. 

Wo findet ein Training sozialer Kompetenzen statt und wie erhält man Zugang?

Angebote eines Trainings sozialer Kompetenzen finden sich:

  1. in teil- und vollstationären Behandlungs- und Rehabilitationseinrichtungen. Dort sind die Trainings Teil des komplexen Behandlungsprogrammes und sind oft manualisiert, d.h. sie basieren auf verbreiteten Trainingsprogrammen. Diese Trainingsprogramme haben eine klare Struktur und sind auf eine praktische Anwendbarkeit und wiederholtes Üben der Fertigkeiten ausgerichtet. Häufig werden entsprechende Trainingsprogramme in kleinen Gruppen und von ein bis zwei Trainern angeboten.
  2. Außerhalb von Kliniken werden Fertigkeitentrainings auch in Bereichen des unterstützten Wohnens, der Arbeitsrehabilitation oder durch sozialpsychiatrische Dienste angeboten. Soziale Gruppen werden auch in psychiatrischen und psychotherapeutischen Praxen durchgeführt.

Verschiedene Berufsgruppen können an der Durchführung beteiligt sein. Es wird empfohlen, sich bei der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt nach regionalen Angeboten zu erkundigen. 


© Universität Leipzig. Medizinische Fakultät Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)