Im Dezember 2025 wurde die dritte Auflage der diagnoseübergreifenden S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) veröffentlicht. An der Erarbeitung der Leitlinie waren insgesamt 43 Fachgesellschaften und Verbände beteiligt. Sie richtet sich an Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, die über einen längeren Zeitraum hinweg unter anhaltenden Symptomen leiden, in ihrem sozialen Alltag deutlich eingeschränkt sind und häufig auf Unterstützungsangebote des Hilfesystems angewiesen sind. Inhaltlicher Schwerpunkt der Leitlinie sind psychosoziale Interventionen sowie Maßnahmen zur Unterstützung der Krankheitsbewältigung. Erstmals wurden in dieser Auflage auch Ansätze der Frühintervention systematisch erfasst und hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Evidenz bewertet.
Neben klar umrissenen psychosozialen Interventionen thematisiert die Leitlinie grundlegende Aspekte psychosozialen Handelns, darunter die Bedeutung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung und die partizipative Entscheidungsfindung. Zentrale Konzepte wie Recovery und Empowerment nehmen dabei einen wichtigen Stellenwert ein. In der dritten Auflage wird die Behandlung schwer psychisch erkrankter Menschen stärker als zuvor an einer Recovery-Orientierung ausgerichtet. Die empfohlenen Interventionen werden in einem Recovery-orientierten Modell der psychosozialen Versorgung verortet, das individuelle Lebenssituationen, persönliche Bedarfe und das Ziel gesellschaftlicher Teilhabe berücksichtigt. Im Mittelpunkt stehen die betroffene Person, ihr individueller Recovery-Prozess sowie eine subjektive und personenzentrierte Sichtweise auf Genesung und Lebensgestaltung.
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Leitlinienüberarbeitung liegt auf der Beteiligung von Betroffenen und Angehörigen. Bereits zu Beginn der Entwicklung der dritten Auflage wurden deren Perspektiven strukturiert in die Leitlinienarbeit eingebunden. Die Expertise aller Beteiligten wurde in einem trialogischen Prozess sowie innerhalb der Arbeitsgruppe Impuls zusammengeführt. Die beteiligten Betroffenen- und Angehörigenvertreter:innen bringen umfangreiche Erfahrungen aus Selbsthilfe, Selbstvertretung auf Landes- und Bundesebene sowie aus der Gremienarbeit ein und haben die inhaltliche Ausrichtung der Leitlinie wesentlich mitgeprägt.
Eine kurze Übersicht zur Leitlinie finden Sie hier.
Die Leitlinie ist über das Register der AWMF abrufbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-020




